Greenwashing war gestern
- Sucona-Team
- 10. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Die EmpCo-Richtlinie verändert, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit kommunizieren dürfen – und was das für Sie bedeutet.

„Klimaneutral." „Umweltfreundlich." „Nachhaltig hergestellt." Solche Aussagen begegnen uns täglich auf Verpackungen, in Online-Shops und Nachhaltigkeitsberichten. Doch was steckt wirklich dahinter? Genau das fragt künftig auch die EU – und sie besteht auf einer Antwort.
„Ein grünes Versprechen allein reicht nicht mehr. Ab September 2026 braucht es Belege."
Das Ende der vagen Nachhaltigkeitsversprechen
Ob auf Verpackungen, in Online-Shops, auf Unternehmenswebsites oder in Nachhaltigkeitsberichten: Mit steigender Aufmerksamkeit auf dem Thema Nachhaltigkeit wurden in den letzten 15 Jahren immer mehr Produkte und Dienstleistungen mit Begriffen wie „grün“, „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ beworben. Für Verbraucherinnen und Verbraucher klingt das zunächst positiv – doch häufig bleibt unklar, was genau hinter diesen Aussagen steckt. Das liegt auch daran, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ selbst keineswegs eindeutig definiert ist. Historisch geht er auf Hans Carl von Carlowitz zurück, der bereits im 18. Jahrhundert eine „nachhaltende“ Forstwirtschaft forderte. Heute umfasst Nachhaltigkeit ein deutlich breiteres Spektrum: Während bis vor ca. 10 Jahren noch das 3-Säulen Modell aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit „gesetzt“ war, wird Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext mittlerweile zunehmend über ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) operationalisiert. Zwischen dieser ursprünglichen Ressourcennutzungslogik und modernen ESG-Bewertungen liegt jedoch ein weiter Interpretationsspielraum – was maßgeblich zur inhaltlichen Unschärfe vieler Nachhaltigkeitsaussagen beiträgt. Wurde ein Produkt tatsächlich emissionsarm hergestellt? Beruht die Aussage auf einer belastbaren Klimabilanz? Oder wurde lediglich ein Teil der Emissionen durch CO₂-Zertifikate kompensiert? Genau an dieser Stelle setzt die sogenannte Empowering Consumers-Richtlinie, kurz EmpCo-Richtlinie, an. Sie soll Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor irreführenden Umwelt- und Sozialaussagen schützen und Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichten. Für Unternehmen bedeutet das: Nachhaltigkeitskommunikation wird verbindlicher, überprüfbarer und rechtlich sensibler. Wer weiterhin mit grünen Claims wirbt, muss künftig klar belegen können, worauf diese Aussagen beruhen.
Die EmpCo-Richtlinie, vollständig Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel, ist seit März 2024 auf EU-Ebene in Kraft. Die Mitgliedstaaten mussten sie bis zum 27. März 2026 in nationales Recht umsetzen; die neuen Vorschriften sollen ab dem 27. September 2026 verbindlich gelten. In Deutschland ist diese Umsetzung über Anpassungen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) im März 2026 erfolgt. Ziel der Richtlinie ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden Geschäftspraktiken zu schützen und ihnen fundierte, nachhaltige Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Dazu nimmt die Richtlinie vor allem solche Aussagen in den Blick, die ökologische oder soziale Vorteile eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Unternehmens suggerieren, ohne dass diese ausreichend belegt sind. Wichtig ist: Die EmpCo betrifft nicht nur große Unternehmen. Anders als etwa bei der CSRD gibt es keine größenabhängige Berichtspflichtenschwelle. Wer gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern mit Nachhaltigkeitsaussagen wirbt – vom großen Konzern bis zum kleinen Onlinehändler –, muss diese Aussagen künftig belastbar begründen können.
Sechs neue Spielregeln
Die EmpCo-Richtlinie greift in sechs konkreten Bereichen ein – und betrifft Unternehmen jeder Größe.
1 | Vage Umweltaussagen werden riskant Begriffe wie „grün", „öko" oder „klimaneutral" sind nur noch zulässig, wenn nachvollziehbare, überprüfbare Nachweise vorliegen. Pauschale Werbeaussagen ohne Substanz werden zum Haftungsrisiko. |
2 | Bezugspunkte müssen eindeutig sein Gilt die Aussage für das ganze Produkt, nur die Verpackung, oder einen einzelnen Produktionsschritt? Unklarheit hier ist kein Versehen – sie ist irreführend. |
3 | Kompensation darf Reduktion nicht ersetzen Wer mit „klimaneutral" wirbt, aber nur CO₂-Zertifikate kauft, gerät in die Kritik. Unternehmen müssen transparent darlegen, was wirklich reduziert – und was nur ausgeglichen – wurde. |
4 | Siegelinflation hat ein Ende Selbst kreierte Labels und Logos ohne unabhängige Prüfung sind künftig problematisch. Nur Siegel auf Basis offizieller Zertifizierungssysteme oder behördlicher Anerkennung bleiben zulässig. |
5 | Auch Social Washing wird adressiert „Faire Lieferketten", „tierfreundliche Produktion" – auch soziale Aussagen brauchen künftig belastbare Standards, Audits oder vertraglich gesicherte Nachweise. |
6 | Langlebigkeit braucht Belege „Hält 10 Jahre" oder „5.000 Waschzyklen" – solche Versprechen erfordern technische Prüfnachweise. Gleiches gilt für Reparierbarkeitsaussagen, wenn Ersatzteile faktisch nicht verfügbar sind. |
In 6 Schritten EmpCo-ready werden
Claim- und Siegel-Inventur durchführen Alle Umwelt- und Sozialaussagen systematisch erfassen: Websites, Verpackungen, Social Media, Broschüren, Nachhaltigkeitsberichte.
Aussagen bewerten und klassifizieren Ist der Bezugspunkt klar? Gibt es belastbare Daten? Könnte die Aussage missverstanden werden? Besonders vage Begriffe priorisieren.
Nachweise und Dokumentation aufbauen Treibhausgasbilanzen, Ökobilanzen (LCAs), Zertifizierungen, Auditberichte und Lieferantennachweise systematisch zusammenstellen.
Kommunikation konkretisieren Vage Begriffe entweder streichen oder durch präzise, belegbare Aussagen ersetzen. Kompensation klar von echter Reduktion trennen.
Freigabeprozesse etablieren Marketing, Recht, Nachhaltigkeit und Einkauf müssen zusammenarbeiten. Neue Claims vor Veröffentlichung fachlich und rechtlich prüfen lassen.
Teams schulen Greenwashing-Risiken sind kein Nischenthema: Juristische und inhaltliche Perspektive für alle relevanten Teams verständlich aufbereiten.
Nachhaltigkeit braucht jetzt Substanz
Die EmpCo-Richtlinie ist kein bürokratisches Hindernis – sie ist eine Chance. Wer Nachhaltigkeit glaubwürdig, transparent und faktenbasiert kommuniziert, baut Vertrauen auf und hebt sich vom Wettbewerb ab.
Greenwashing-Risiken sind längst nicht mehr nur juristisch. Sie gefährden Reputation, Investorenvertrauen und Kundenbindung. Unternehmen, die jetzt handeln, reduzieren nicht nur Risiken – sie stärken ihre gesamte Nachhaltigkeitsstrategie.
Vertrauen entsteht nicht durch große Worte oder grüne Logos. Es entsteht durch Transparenz, belastbare Daten und Ehrlichkeit darüber, was noch zu tun ist.
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Nachhaltigkeitskommunikation EmpCo-ready ist, unterstützen wir Sie gerne bei der Analyse Ihrer Claims, der Bewertung bestehender Nachweise und dem Aufbau belastbarer Prozesse für eine sichere Nachhaltigkeitskommunikation.



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